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Das Fest des Maien

Beschreibung:  Ein Gedicht von Karoline von Günderrode
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Das Fest des Maien

Das Fest des Maien hat begonnen,
An dem die Pilger wallend gehn,
Um in der heil'gen Waldkapelle
Der Mutter Gottes Bild zu sehn.

Es führt der Weg durch Wies' und Wälder
Zum stillen Gotteshause hin,
Das frisch ein Weidenbach umrauschet,
An dem die stillen Veilchen blühn.

Und in des Volkes bunter Mitte,
Das sich zu der Kapelle drängt,
Geht mit ein Jüngling der die Schritte
Sich unbewußt zum Altar lenkt.

Er kniet nieder ohne beten
Und ohne Andacht steht er auf,
Da hebt von ungefähr sein Auge
Zur Inschrift des Altars sich auf.

Er liest: Maria süßes Leben
Verlasse meine Seele nicht
O wende du Erbarmungsvolle
Von mir nicht ab dein Angesicht.

Es theilt ja auch der Mond sein Leuchten
Halb wendet er zur Erde sich
Halb sieht er in des Himmels Tiefe
Und freuet mit den Sternen sich.

So Heil'ge in der Himmel Freuden
Vergiß auch meine Seele nicht
Und sende in der Erde Dunkel
Mir einen Strahl von deinem Licht.

Er liest, es lösen sich die Schmerzen
Die Thränen drängen sich hervor,
Da heben sich der Orgel Töne
Zum Himmel rauscht der heilge Chor.

Er stürzet sich aus der Kapelle
Und setzt sich an dem Bache hin
Und siehet wie die kleinen Wellen
Sich kräuslen kommen und verziehn.

O! ruft er, du bist mir verloren,
Geliebte zwischen dir und mir
Hat sich ein Zeitenstrom gegossen
Du wandelst jenseits ich bin hier.

Und all mein Sehnen all mein Schmachten
Bringt keinen Laut von mir zu dir
Die Sonne sinkt, doch steigt sie wieder
Du aber kehrest nicht zu mir.

Ich starre hin ins tiefe Dunkel
In dem die bleichen Schatten gehn
Mir ist ich seh Gestalten wallen
Doch deine hab ich nicht gesehn.

Ihm ist, er säh in dem Gekräusel
Der Wellen ein geliebtes Bild
Und aus des Baches tiefem Grunde
Winkt ihm ein liebes Aug so mild.

Er hebt die Arme es zu fassen
Die Fluthen treiben es dahin
Und spielen wechselnd mit dem Bilde
Bis seine Züge sich verziehn.
  
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